Lewis Carroll

Mathematiker und Fotograf

Carroll machte seinen Abschluss am Christ Church College mit besonderem Erfolg im Bereich der Mathematik und des Schreibens. Er blieb als Mathematiklehrer an der Schule und galt als ein höflicher, gutmütiger, aber auch in sich gekehrter Mensch, der von seinen Schülern als eher langweilig und pedantisch empfunden wurde.
In dieser Zeit verfasste er einige mathematische Bücher, so zum Beispiel An Elementary Treatise on Determinants (1867), Euclid and His Modern Rivals (1879), sowie Curiosa Mathematica (1888).

Lewis CarrollUm 1850 begann sich Carroll zudem für die neue Kunstform der Fotografie zu interessieren, als diese noch in den Kinderschuhen steckte. Zu dieser Zeit brauchte ein guter Fotograf nicht nur ein Auge für Motive und den Aufbau eines Bildes, sondern vor allem eine nahezu unbegrenzte Geduld, da das Entwicklungsverfahren sehr zeitaufwändig und kompliziert war. Carrolls Genauigkeit und Hingabe, zusammen mit seinem künstlerischen Verständnis, machten ihn zu einem der besten Amateur-Fotografen seiner Zeit.
Seine bevorzugten Motive waren, neben Aufnahmen von bekannten Persönlichkeiten, Portraits von Kindern, in denen er eine Schönheit und Unschuld fand, die Erwachsene nicht mehr hatten. Eines seiner beliebtesten Modelle war die Tochter des Dekans, Alice Liddell, die später auch das Vorbild für die Heldin der Geschichte "Alice im Wunderland" werden sollte.

Wie sehr Carroll die Herausforderung durch die Kompliziertheit der Technik schätzte, zeigt der Umstand, dass er die Fotografie um 1880 weitgehend aufgegeben haben soll, als neue Entwicklungsprozesse erfunden wurden, die die Herstellung der Bilder sehr vereinfachten - vielleicht zu sehr für Carrolls Geschmack.

Während er als Lehrer tätig war, wurde Carroll zudem zum Diakon geweiht, hielt jedoch niemals eine Predigt.